Das Sémont-Manöver

Genauso wie das Epley-Manöver ist auch das Sémont-Manöver zur Selbstbehandlung des gutartigen Lagerungsschwindels, auch benigner peripherer Lagerungsschwindel genannt, geeignet. Allerdings wird empfohlen, möglichst die ersten Übungen unter ärztlicher Aufsicht durchzuführen, da nur so garantiert werden kann, dass die Übung korrekt ausgeführt wird. Bei richtiger Ausführung ist das Befreiungsmanöver nach Semont, das 1988 erstmals angewandt wurde, bei fast allen Patienten erfolgreich.

Sollten wider Erwarten weder die Behandlung nach Semont noch nach Epley Erfolge bringen, kann das Brandt-Daroff Manöver, das physikalische Befreiungsmanöver, das als erstes entwickelt wurde, eingesetzt werden – vor alle dann, wenn eine Cupulolothiasis (lat. Begriff für gutartiger Lagerungsschwindel) des horizontalen Bogengangs oder Probleme im Nacken-Schulter Bereich vorliegen.

Welches Training eine geeignete Therapie darstellt, entscheidet der Arzt. Auf jeden Fall sollten eindeutige Symptome vorliegen, die nahelegen, dass tatsächlich der Lagerungsschwindel die Ursache der Schwindelattacken ist. Die Behandlung des vom Schwindel Betroffenen kann erst nach einer getroffenen Diagnose erfolgen.

Selbstbehandlung von Lagerungsschwindel durch Befreiungsmanöver

Das Sémont-Manöver sollte vom Patient jeweils dreimal morgens und abends durchgeführt werden, bis kein Schwindel mehr auftritt. Wie erwähnt, sollte der Therapie eine gründliche Anleitung durch Demonstration oder durch Bildmaterial vorausgehen. Die Erfolgsraten bei der Selbstbehandlung sind bei den Betroffenen etwas niedriger als bei Befreiungs-Trainings, die unter ärztlicher Aufsicht ausgeführt werden. Auf alle Fälle kann die Selbstbehandlung jedoch komplementär zu jenen Manövern eingesetzt werden, die unter Anleitung des Arztes durchgeführt werden. Dadurch können Restbeschwerden oder Rezidive verschwinden. Patienten, die das Sémont oder Epley-Manöver aus diversen Gründen nicht ausführen können, können das Brandt-Daroff Manöver versuchen, das einfacher ist; hierbei dauert es allerdings länger, bis die Beschwerdefreiheit erreicht wird.

Rezidive nach erfolgreichem Befreiungsmanöver

Die Rezidivrate liegt bei erfolgreich behandelten Patienten (mit Semont und Epley-Übungen) innerhalb von 10 Jahren bei 50 %. Bei rund 80 % dieser Hälfte von Patienten, die erneut mit Lagerungsschwindel zu kämpfen haben, tritt das Rezidiv innerhalb des ersten Jahres wieder auf – und zwar unabhängig davon, welche Übungen durchgeführt wurden. Bei Frauen treten Rezidive häufiger auf als bei Männern. Tritt der Lagerungsschwindel erneut auf, wird dieser wieder mit physikalischen Befreiungsmanövern therapiert.

Die Behandlung nach Semont und Epley ist gleichwertig in ihrer Wirksamkeit

Zwar ist die Behandlung nach Semont etwas weniger dokumentiert als die Wirksamkeit der Therapie nach Epley – bei der einen randomisierten Studie gegenüber Unbehandelten, die es gibt, liegt die Beschwerdefreiheit der Patienten nach einmaliger oder mehrmaliger Behandlung bei 94 %. Grundsätzlich wird davon ausgegangen, dass beide Manöver in etwa gleich wirksam sind. Die Entscheidung, welche physikalische Therapie eingesetzt wird, hängt meist davon ab, mit welcher Übung der Therapeut bzw. Arzt besser vertraut ist und welche konkreten Informationen zur individuellen Krankheitsgeschichte vorliegen. Für Patienten mit Schulter-Nacken-Problemen eignen sich die Therapieeinheiten nach Semont (oder die Übungen nach Brandt-Daroff) besser als die Übungen nach Epley. Durch die Behandlung werden die Kristalle, die sich im hinteren Bogengang in der Flüssigkeit des Labyrinths festgesetzt haben, aus den empfindlichen Teilen des Innenohrs „gespült“.

Das Sémont Manöver – Anleitung für das linke Ohr bzw. den linken posterioren Bogengang

Das Sémont-Manöver

  • Setzen Sie sich aufrecht auf ein Bett oder eine Liege.
  • Nun wird der Kopf im Sitzen um etwa 45 Grad nach rechts gedreht.
  • Kippen Sie nun den ganzen Körper auf die linke Schulter. Sie „liegen“ nun auf der Unterlage.
  • Nun tritt für 10-20 Sekunden Schwindel auf. Der Kopf darf nicht abgesenkt werden – er verharrt weiter in der 45 Grad-Position; der Blick ist nach oben an die Decke gerichtet. Behalten Sie die Position einige Minute bei, so lange, bis der Schwindel nicht mehr auftritt.
  • Jetzt erfolgt eine schnelle, schwungvolle Wendung des Körpers um 180 Grad auf die rechte Schulter, also auf die andere Seite des Bettes bzw. der Liege.
  • Die Position des Kopfes wird beibehalten; nun blickt der Patient nach unten in Richtung Liege; die Position wieder einige Minuten lang beibehalten.
  • Abschließend erfolgt ein langsames Aufrichten des Betroffenen; hierbei kann es sein, dass erneut ein leichter Schwindel auftritt.

Das Sémont Manöver – Anleitung für das rechte Ohr bzw. den rechten posterioren Bogengang

  • Setzen Sie sich aufrecht auf eine Liege.
  • Drehen Sie den Kopf im Sitzen 45 Grad nach links.
  • Kippen Sie nun schwungvoll und rasch den gesamten Oberkörper auf die rechte Seite; der Kopf bleibt weiterhin um 45 Grad gedreht. Der Blick ist nach oben an die Decke gerichtet. Nun kann Drehschwindel eintreten – behalten Sie die Position trotzdem für einige Minuten bei.
  • Verlagern Sie nun den gesamten Oberkörper um 180 Grad auf die andere Schulter – also auf die linke Seite.
  • Der Kopf bleibt in derselben Position und ist nun nach unten in Richtung Liege gerichtet. Behalten Sie die Position einige Minuten bei.
  • Nun folgt das langsame Wiederaufrichten in die sitzende Ausgangsposition.

Folgende Tipps sollten beachtet werden:

  • Klären Sie mit Ihrem Arzt ab, ob Ihre Symptome auf den Lagerungsschwindel hindeuten (z. B. Schwindel beim Aufstehen und Hinsetzen; begleitender Tinnitus deutet in der Regel hingegen auf Morbus Menière hin).
  • Führen Sie die Übungen mehrmals nacheinander aus.
  • Legen Sie täglich zwei bis drei Übungseinheiten ein (z. B. morgens und abends), bis die Behandlung wirkt und Beschwerdefreiheit auftritt.
  • Es kann hilfreich sein, die ersten Trainingseinheiten unter ärztlicher Aufsicht durchzuführen. Die Erfolgsrate des Befreiungsmanövers, das mit dem Patient unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt wird, ist etwas höher.

zu risiken und nebenwirkungen