Das Epley-Manöver

Das Epley-Manöver ist eine der physikalischen Befreiungsübungen, die bei Auftreten des gutartigen Lagerungsschwindels angewandt werden. Die Übungen nach Epley werden in der Arztpraxis oder zuhause im Rahmen der Selbstbehandlung ausgeführt. Sinn und Zweck der Übung ist es, die störenden Teilchen bzw. Kalziumkristalle, die in der Flüssigkeit der Bogengänge falsche Signale an das Gehirn senden und dieses „überlasten“, aus den Bogengängen raus in einen weniger empfindlichen Teil des Ohrs zu verlagern. Dadurch kann der Schwindel effektiv bekämpft werden.
Das Epley-Manöver wurde erstmals von John M. Epley im Jahr 1992 angewandt. Er beschrieb die Methode unter dem Namen Canalith Repositioning Procedure bzw. CPR. Das Manöver gilt als Weiterentwicklung des Brandt-Daroff Manövers, das 1980 erstmals angewandt wurde, und des Semont Manövers.

Mit dem Epley-Manöver gegen den gutartigen Lagerungsschwindel

Das Epley-Manöver eignet sich für alle Betroffenen, bei denen der HNO-Arzt oder der Neurologe einen Lagerungsschwindel festgestellt hat. Die Therapie sollte also dann angewandt werden, wenn alle Symptome eindeutig auf Lagerungsschwindel hindeuten und keine Informationen vorliegen, die andere Ursachen des Schwindels vermuten lassen (z. B. Tinnitus deutet auf Morbus Menière hin). Der Selbstbehandlung durch die Übungen geht also eine genaue Diagnose voraus.

Für wen sich das Manöver eignet

Ungeeignet ist das Manöver für jeden Patient, der mit Problemen an der Halswirbelsäule und sehr starkem Schwindel samt Übelkeit und Erbrechen kämpft. Dann ist das Semont-Manöver die bessere Wahl. Wer unter Übergewicht bzw. Adipositas leidet, kommt mit dem Epley-Manöver in der Regel besser zurecht als mit dem Semont-Manöver. Nebenwirkungen sind keine bekannt, allerdings kann die Übung u.U. Schwindel und kurzzeitige Übelkeit verursachen.

Beschwerdefrei nach vier Wochen

Eine Studie der Cochrane Collaboration nahm die Wirksamkeit des Epley-Manövers genauer unter die Lupe. Die Ergebnisse waren folgende: Von 100 Patienten, die unter dem gutartigen Lagerungsschwindel litten und die an der Studie teilnahmen, waren 56 nach spätestens vier Wochen frei von Beschwerden. (Die Studie ist hier: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15106194 abrufbar). So heißt es in der Schlussfolgerung der Wissenschaftler, die die Studie durchgeführt haben:
„There is some evidence that the Epley manoeuvre is a safe effective treatment for posterior canal BPPV (…)There is no good evidence comparing the Eple manoeuvre with other physical, medical or surgical therapy for posterior canal BPPV.“

Die Wirksamkeit der Übungen nach Epley wurde in mehreren Studien bewiesen – die Wirksamkeit des Semont-Manövers ist weniger gut dokumentiert. Experten gehen allerdings davon aus, dass beide Befreiungsübungen in etwa dieselbe Wirkkraft aufweisen.
Mit dem Partikelrepositionsmanöver können der Schwindel bzw. die Kristalle im Ohr also effektiv bekämpft werden, indem diese aus dem hinteren Bogengang durch bestimmte, rasch wechselnde Positionen „hinausgespült“ werden. Die Übung sollte von Betroffenen bis zu drei Mal am Tag ausgeführt werden, so lange, bis der Schwindel nicht mehr auftritt. Es ist möglich, dass während der Übung Drehschwindel auftritt – dies ist allerdings nicht weiter schlimm. Übungsbeispiele für Manöver gegen den gutartigen Lagerungsschwindel finden Patienten außerdem auf YouTube.

Epley-Manövers zur Behandlung des linken hinteren Bogengangs

 

  • Aufrechte Sitzhaltung auf einem Bett
  • Jetzt den Kopf um 45 Grad nach links drehen
  • Rasch mit Rücken auf Bett legen
  • Leichte Überstreckung im Bereich der Halswirbelsäule und 45-Grad-Haltung beibehalten
  • Nach 30 Sekunden den Kopf in überstreckter Haltung 90 Grad nach rechts drehen (ohne Anheben)
  • 30 Sekunden warten
  • Drehung um weitere 90 Grad nach rechts unter Zuhilfenahme des ganzen Körpers (ganz auf die Kante der Liege)
  • 30 Sekunden warten
  • Aufstehen, ohne sich wieder auf den Rücken zu drehen

Epley-Manöver zur Behandlung des rechten hinteren Bogengangs

Das Epley-Manöver

  • Setzen Sie sich auf ein Bett
  • Kopf 45 Grad nach rechts drehen
  • Rasch zurücklegen
  • Kopf etwas nach hinten rechts überstreckenPosition 30 Sekunden halten
  • 90 Grad nach links drehen (ohne Anheben)
  • 30 Sekunden warten
  • Kopf mit Zuhilfenahme des ganzen Körpers um weitere 90 Grad nach links drehen
  • 30 Sekunden verharren
  • Aufsetzen, ohne sich auf den Rücken zurückzudrehen

Folgende Details sollten beachtet werden:

  • Die Übergänge von einer Position in die nächste sollten zügig, jedoch nicht abrupt ausgeführt werden.
  • Empfindet der Patient starke Übelkeit und Schwindel, kann der Arzt eine Prämedikation mit Dymenhydrinat oder anderen Antivertiginosa verschreiben; diese werden etwa 30 Minuten vor Durchführung der Übung bzw. Therapie eingenommen.
  • Eine Zeit lang galt die Empfehlung, nach der erfolgreichen Behandlung etwa 48 Stunden aufrecht zu bleiben, um so ein Rezidiv zu verhindern. Inzwischen gilt es als erwiesen, dass dies unnötig ist (gilt auch für das Semont-Manöver).
  • Eine operative Therapie ist bei Patienten, die unter gutartigem Lagerungsschwindel leiden, nur äußerst selten indiziert; erst wenn alle physikalischen Manöver versagen, kann eine operative oder medikamentöse Behandlung ins Auge gefasst werden.

zu risiken und nebenwirkungen