Das Brandt-Daroff Manöver

Die Wissenschaftler Brandt und Daroff waren die ersten, die ein spezielles Lagerungs-Manöver entwickelten, um den sog. Lagerungsschwindel (BPPV) zu therapieren. 1980 wurde dieses erste wirkungsvolle Lagerungstrainingsprogramm vorgestellt. 1988 wandelte Semont dieses Manöver ab. Heute ist das erste Mittel der Wahl meist das Semont-Manöver, gefolgt von dem Repositionsmanöver nach Epley.
Grundsätzlich eignen sich die physikalischen Befreiungsübungen für all jene Betroffenen, bei denen alle Symptome eindeutig auf einen Lagerungsschwindel hindeuten. Um die Ursache von Schwindel festzustellen und eine entsprechende Behandlung zu empfehlen, benötigt der Arzt genaue Informationen zu den Symptomen des Schwindels (u.a. Auslöser, Begleitsymptome wie z. B. Tinnitus).

Für wen eignet sich das Brandt-Daroff Manöver?

Die Trainingseinheiten nach Brandt-Daroff werden meist nur mehr in speziellen Fällen eingesetzt, z. B. bei einer Cupulolithiasis des horizontalen, anstatt des hinteren Bogengangs. Durch das Training wird diese in eine Kanalolithiasis umgewandelt und ist so leichter zu behandeln. Auch dann, wenn der Patient zusätzlich zum Schwindel unter Problemen im Schulter-Nackenbereich leidet, wird oft die Behandlung nach Brandt-Daroff angewandt. Grundsätzlich kann die Übung im Falle von Lagerungsschwindel immer angewandt werden, allerdings ist dieses weniger wirksam als das Semont- und Epley-Manöver und es dauert länger, bis Behandlungserfolge erzielt werden können und der Lagerungsschwindel geheilt ist. Dafür sind die von den Ärzten Brandt und Daroff erdachten physikalischen Manöver etwas leichter durchzuführen.

Brandt-Daroff Lagerungsmanöver

Das Brand-Daroff Lagerungsmanöver

  • Setzen Sie sich aufrecht auf eine Liege bzw. auf die Bettkante.
  • Drehen Sie Ihre Kopf um 45 Grad nach links.
  • Kippen Sie nun Ihren Körper auf die rechte Seite; der Kopf bleibt in der Ausgangsposition; verharren Sie mind. 30 Sekunden in dieser Position, so lange, bis der Schwindel aufhört.
  • Richten Sie sich wieder auf und bleiben Sie 30 Sekunden aufrecht in der Ausgangsposition.
  • Drehen Sie nun Ihren Kopf um 45 Grad nach rechts.
  • Kippen Sie nun Ihren Körper auf die rechte Seite; der Kopf bleibt in der Ausgangsposition; verharren Sie mind. 30 Sekunden in dieser Position, so lange, bis der Schwindel aufhört.
  • Bewegen Sie sich nun wieder zurück in die Ausgangsposition.

Wird die Behandlung, die insgesamt etwa 20 Minuten dauert, mehrmals am Tag ausgeführt, wird so durch den entsprechenden Lagewechsel Schwindel produziert. Deshalb sollte die Übung immer serienmäßig bis zu zehn Mal durchgeführt werden – jeweils so lange, bis kein Schwindel mehr auftritt. Dadurch „lernt“ das Gehirn, mit dem Steinchen in der Flüssigkeit des Labyrinths und mit den dadurch ausgelösten veränderten Informationen zurechtzukommen. Durch die stete Wiederholung stellt sich das Gehirn auf die Situation ein.
Bei den anderen beiden Manövern, dem Epley- und dem Semont-Manöver, wird hingegen durch ein „Befreiungsmanöver“ versucht, den Kristall durch die ruckartige Bewegung aus der „empfindlichen“ Stelle im Bogengang hinaus zu spülen.

Tipps:

  • Beginnen Sie das Manöver auf der Seite des „kranken“ Ohrs.
  • Die Übungen sollten jeweils 10 Mal am Morgen und 10 Mal am Abend ausgeführt werden bis Beschwerdefreiheit auftritt.
  • Die Übungen nach Brandt-Daroff eignen sich auch gut für ältere Menschen, die weniger agil sind.

Geschichte des Lagerungsmanövers

Thomas Brandt, ein deutscher Neurologe, entwickelte gemeinsam mit R.B. Daroff die spezielle Therapie, während er als Assistent in Breisgau arbeitete. Die Kalksteinchen, welche die Schwindelattacken auslösen, verirren sich beim Lagerungsschwindel im Ohr und stören das Gleichgewichtsgefühl – somit kommt es bei Hinlegen, Bücken oder Aufstehen zum Schwindel. Brandt arbeitete an diversen Übungen, um die Kristalle aus dem Bogengang zu spülen und den Schwindel zu heilen.

O-Ton Brandt: „Ähnlich wie bei diesen Geschicklichkeitsspielen für Kinder, bei denen eine Kugel durch Drehbewegungen aus einem Labyrinth herausgesteuert werden muss.“ Daroff und Brandt gaben 1980 die Publikation „Physical therapy for benign paroxysmal positional vertigo“ sowie den Artikel „The multisensory physiological and pathological vertigo syndromes“ heraus, der sowohl Symptome als auch Heilung der vom Lagerungsschwindel Betroffenen genau beschreibt.

Aktuell hat Thomas Brandt als Senior-Professor in München ein Schwindelzentrum aufgebaut, das „als Weltreferenzzentrum für Patienten mit Schwindelerkrankungen“ fungieren soll. Patienten, für deren Schwindel scheinbar keine Ursache festzustellen ist, können sich an dieses medizinische Zentrum wenden.

Kupulolithiasis des horizontalen Bogengangs

Wie erwähnt, wird die Therapie nach Brandt-Daroff heute dann eingesetzt, wenn bei einem Patient eine Kupulolithiasis des horizontalen Bogenganges diagnostiziert wurde. Es scheint sinnvoll, die Kupulolithiasis in eine Kanalolithiasis umzuwandeln: Genau dies kann durch die rasche Seitenlagerung nach Brandt und Daroff erreicht werden.

Das Gufoni-Manöver

Alternativ ist bei Lagerungsschwindel dieser Spezifik auch die Therapie nach Gufoni geeignet – damit lassen sich sowohl Patienten mit einer Kanalolithiasis als auch Patienten mit einer Kupulolithiasis therapieren. Der Vorteil der Trainingseinheiten nach Gufoni und Brandt-Daroff ist, dass nicht unbedingt unterschieden werden muss, welche Form eines horizontalen Lagerungsschwindels vorliegt. Bei der Therapie nach Gufoni wird der Patient aus der sitzenden Position auf die Seite gelegt – auf jene, wo der Nystagmus am geringsten ist. Anschließend erfolgt eine Drehung des Kopfes um 45 Grad nach unten.

zu risiken und nebenwirkungen